„nem oda korcsolyázunk, ahol a korong van, hanem oda, ahova érkezik”

An wen richtete Putin seine Botschaft mit der «Oreschnik»?

2026. jan. 23.
Gabor Stier

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Moskau hat seine neue Hyperschall-Rakete zum zweiten Mal eingesetzt. Nun rätselt die Welt, welche Botschaft der Kreml mit diesem Schlag aussenden wollte. War sie an Kiew gerichtet? An Europa? Oder etwa an Trump? Ein Beitrag von Gábor Stier. Aus dem Ungarischen übersetzt von Éva Péli.

Ez a fénykép, amelyet az Ukrán Biztonsági Szolgálat készített és tett közzé 2026. január 9-én, állítólag egy orosz Oreshnik ballisztikus rakéta egy töredékét mutatja egy ismeretlen helyszínen #moszkvater

Fotó:EUROPRESS/AFP/UKRAINIAN SECURITY SERVICE

In der westlichen Kommunikationsmaschinerie herrschte nach dem russischen Schlag mit der Hyperschallrakete vom Typ «Oreschnik» (russisch Орешник für Haselnussstrauch) auf Ziele in der Westukraine Verwirrung. Bei dem System handelt es sich um eine neuartige russische Mittelstreckenrakete mit Hyperschall-Technologie. Aufgrund der extremen Geschwindigkeit und der steilen Flugbahn gilt sie nach aktuellem Stand als unabfangbar durch westliche Raketenabwehrschirme.

Verwirrung im Westen

Einerseits wurde mit Bildern von vermeintlichen Raketenteilen, die Kanaldeckeln ähnelten, suggeriert, es gäbe «nichts zu sehen» – alles nur Schrott. Gleichzeitig zeigten andere Reaktionen voller Panik auf Landkarten, in wie vielen Minuten die Rakete Warschau, Berlin oder gar London erreichen könnte.

Auffällig war zudem, dass diesmal keine Satellitenbilder vom Einschlagort verbreitet wurden. Auch der Bürgermeister von Lwiw bemühte sich nicht, die Öffentlichkeit mit der Behauptung zu beruhigen, man habe die Ankunft der Rakete gar nicht bemerkt. Aufnahmen des Gasspeichers Biltsche-Wolizkoje-Uherskoje, die nach dem Angriff auftauchten, zeigen deutlich: Der Unterschied zwischen dem Zustand vor und nach dem Einschlag ist massiv.

Eine Warnung an die «Tatkräftigen» in Europa

Eine der Hauptbotschaften des russischen Präsidenten Wladimir Putin war unmissverständlich: Russland verfügt über genügend Kraft und Mittel, um seine Ziele zu erreichen. Offiziell nannte der Kreml den (von der Ukraine bestrittenen und von Donald Trump angezweifelten) Angriff auf die Residenz des Präsidenten Russlands als Grund.

Kiew und der westliche Mainstream sehen darin jedoch eine Botschaft an Europa – auch, weil die Rakete nicht zufällig nahe der EU-Grenze einschlug. Analytiker vermuten, Russland reagiere damit auf europäische Pläne, britische und französische Truppen im Rahmen eines Friedensabkommens in der Ukraine zu stationieren.

Moskau demonstrierte, dass es Truppen in der Westukraine jederzeit erreichen kann. Wenn die «Oreschnik» Lwiw in 10 bis 15 Minuten erreicht, ist der Weg nach Warschau oder Berlin kurz. Ein Gedanke, der die europäischen Befürworter einer Truppenentsendung zum Grübeln bringen dürfte. Moskau betonte zeitgleich, westliche Kontingente auf ukrainischem Boden als legitime militärische Ziele zu betrachten.

Das Signal an Washington

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Botschaft primär an US-Präsident Donald Trump gerichtet war. Die Spannungen zwischen Moskau und Washington sind nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und der Beschlagnahmung russischer Tanker massiv gestiegen. Zudem verändert sich die Lage rund um die Friedensverhandlungen.

Das US-amerikanische Nachrichtenportal Axios berichtete, dass Washington, Kiew und Europa sich nahezu auf eine neue Version eines Friedensplans geeinigt hätten. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff habe diesen dem russischen Unterhändler Kirill Dmitrijew übergeben. Da der Inhalt Moskau vermutlich missfällt, baut Washington bereits Druck auf: Trump gab grünes Licht für ein Gesetz, das Sekundärzölle gegen Käufer russischen Öls ermöglicht.

Ex-Präsident Dmitri Medwedew, heute Vizechef des Nationalen Sicherheitsrates, der im Kreml oft die Rolle des Hardliners übernimmt, warnte vor dem Versuch, Russland «inakzeptable Kompromisse» aufzunötigen. Moskau geht offenbar davon aus, dass der Westen die Präsenz eigener Truppen in der Ukraine gegen russischen Widerstand durchsetzen will.

Warnung vor der Eskalationsspirale

Der Schlag mit der «Oreschnik» in der Region Lwiw lässt sich somit als klares Signal deuten: Moskau ist bereit, den Einsatz massiv zu erhöhen, sollten die USA versuchen, den Kreml mittels politischen oder wirtschaftlichen Drucks zur Annahme eines aktualisierten Friedensplans zu drängen.

Es darf nicht vergessen werden – worauf bereits mehrfach hingewiesen wurde –, dass Trump derzeit massiv unter Zugzwang steht. Sowohl die republikanischen «Falken» als auch Kiew und Europa drängen ihn gleichermaßen dazu, die Daumenschrauben gegenüber Moskau anzuziehen. Mit dem Einsatz der «Oreschnik» könnte der Kreml Trump somit vor den fatalen Folgen einer scharfen Eskalation gewarnt haben, falls dieser sich für einen solchen Strategiewechsel entscheiden sollte.

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Gabor Stier
Geboren 1961, ist ein ungarischer außenpolitischer Journalist, Analyst und Publizist. Er ist Fachjournalist für Außenpolitik bei der ungarischen Wochenzeitschrift Demokrata sowie Gründungschefredakteur von #moszkvater, einem Internet-Portal über die slawischen Völker, insbesondere die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Davor war er 28 Jahre lang bis zu ihrer Auflösung bei der konservativen Tageszeitung Magyar Nemzet tätig, von 2000 bis 2017 als Leiter des außenpolitischen Ressorts. Er war der letzte Moskau-Korrespondent der Zeitung. Sein Interesse gilt dem postsowjetischen Raum und dessen aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Stier schreibt regelmäßig für außenpolitische Fachzeitschriften und seine Beiträge und Interviews erscheinen regelmäßig in der mittel- und osteuropäischen Presse. Er ist Autor des Buches „Das Putin-Rätsel“ (2000) und seit 2009 ständiges Mitglied des Waldai-Klubs.
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